Samstag, 6. August 2003Erste Woche in Jinzhou
Es war schon vorher klar, dass ich in dieser Woche so viele neue Freunde und
Dinge kennen lerne, wie wohl selten in anderen Wochen in meinem Leben. Fangen
wir also mit meinem Abflug aus Shanghai an. Ab jetzt war ich auf mich allein
gestellt. Kein Dong mehr, der mir helfen kann, wenn mir ein Wort nicht mehr
einfällt.
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| Abflugbildschirm in Shanghai |
Ankunft in Jinzhou |
Vom Flughafen haben mich Fräulein Zhōu 周 und Herr
Chén
陈 abgeholt. Es war nicht wirklich schwer, mich zu
finden, weil ich die einzige Langnase war, die an dem Tag an dem kleinen
Flughafen angekommen ist.
Am ersten Tag habe ich meine japanischen Kommilitonen getroffen. Von denen
kann nur einer nen bisschen Englisch, so dass ich froh bin, wenigstens
schlechtes Chinesisch zu sprechen. Eine der ersten Fragen war, ob ich denn
rauchen und/oder trinken würde. Letzteres haben wir dann auch gleich am ersten
Abend getan, worauf ich dann mal beruhigt die Kopfschmerzen nach der ersten
Nacht schieben kann. Allerdings hatten die 15 Mückenstiche wohl weniger was
damit zu tun.
Die ersten Tage habe ich mit den Japanern verbracht, die mir mit allem
geholfen haben, was ich so einkaufen wollte: Bettzeug, Schreibtischlampe,
Moskitonetz (!), ...
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Eine typische (wenn auch nicht die extremste)
Straßenszene. Viel mehr Verkehrregeln als das Rechtsfahrgebot (was auch
Ausnahmen hat) gelten hier nicht. Alles wurschtelt sich irgendwie über die
Kreuzung. Wer als Fußgänger die Straße überqueren will muss am meisten
aufpassen. Vergleich für Insider wäre vielleicht in Paderborn Uni/Südring,
allerdings ohne Ampelphasen. |
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Der Xiǎo-Líng-Fluss
(小凌河) trennt einen Teil der Stadt ab. Es gibt drei
Brücken, die ihn überqueren (jedenfalls laut meinem Stadtplan) und für Autos
befahrbar sind. Davon wird eine wohl umgebaut und ist nur eine Richtung
befahrbar. |
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Das Universitätsgelände ist in Innenstadtnähe und ist von
der Größe vergleichbar mit dem der Uni Paderborn inklusive der
Studentenwohnheime. Allerdings ist die Uni in Jinzhou umzäunt. Ein- und
Ausfahrende Autos werden von den Pförtnern am Nord- und Südtor, kritisch
betrachtet. Alle anderen können mehr oder weniger rein und raus. (Auf dem
Foto ist das größere Nordtor zu sehen, auf dem nächsten Foto ist das Banner
im Hintergrund zu sehen). |
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Überall in China sind mir Banner von der Chinesischen
Regierung aufgefallen, die sonst meistens mit Verhaltensmaximen in mir
unbekannten Zeichen bestückt. In diesem Fall konnte ich zu meiner
Überraschung alles lesen und ich habe mich angesprochen gefühlt: rè
lìe hūan yíng xīn tóng xué 热烈欢迎新同学 - Herzlich
Willkommen, neue Kommilitonen. |
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Nach ein paar hundert Metern (ich bin so schlecht im
Entfernungen schätzen) kommt man zum Ausländerstudentenwohnheim. Das rot
umkreiste Fenster sollte dabei meins sein. Außerdem ist in diesem Gebäude
untergebracht: das Ausländerbüro (für ausländische Studenten und Lehrer
zuständig), zwei japanische Jungs, ein alter japanischer Japanisch-Lehrer,
drei japanische Mädchen, ein junger japanischer Japanisch-Lehrer und ich
vermute, dass noch ein Japanisch-Lehrer kommt. Die Toiletten (arabische) und
Duschen sind für uns drei Jungs zusammen und einigermaßen sauber. Allerdings
muss man - wie fast überall in China - sein eigenes Klopapier mitbringen. |
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In dieser Woche konnte ich auch Kontakt mit zwei weiteren
Langnasen knüpfen: |
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James kommt aus Australien, allerdings merkt man ihm
seine asiatische Herkunft sofort an. Deshalb reden ihn alle auf Chinesisch
an, was er etwa auf meinem Level kann. James ist schon seit März 2003
Englischlehrer hier in Jinzhou |
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Patrick ist für die Chinesen hier ein
Bilderbuch-Ausländer: Riesig groß und blonde Haare. Er kommt aus den USA und
war dort Anwalt. Als ihm das zu langweilig wurde, hat er sich entschieden,
Englischlehrer in Jinzhou zu werden und kam am selben Tag wie ich an. |

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Lìdōng
丽冬 ist gerne unter Ausländern, um ihr Englisch zu verbessern. Außerdem wohnt
sie in der Nähe von James und Patricks 2er-WG, weshalb sie ein oft und gern
gesehener Gast dort ist. |
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